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Geschichte unseres geliebten Dorfes Niederraunau
von Christi Geburt bis ins 20. Jahrhundert

Einleitung:Bild aus Buch
Im anmutigen, an an alten Herrensitzen einst reichen Kammeltale liegt 2,5 km südlich des gewerbsfleißigen Städchens Krumbach das Pfarrdorf Niederraunau, dessen prächtiger Kirchturm und das daneben emporragende stattliche Schloß gegen Nord und Süd schon von Ferne dem Wanderer in die Augen fallen. Vom Volke wird der Ort gewähnlich nur Raunau genannt. Der Name kommt von dem eine Viertelstunde westlich auf der Anhöhe gelegenen Hohenraunau - ehedem auch Oberraunau genannt - und wurde der Ort zur Unterscheidung von Letzterem Unter- oder Niederraunau von seiner Lage unten im Tale geheißen. Beide Bezeichnungen "Unter- und Nieder" finden wir in den Akten seit Jahrhunderten, ein Zeichen, daß beide gang und gäbe waren.
In alter Zeit hieß der Name Ruonon, Runon, Runa und ähnlich.

Allgemeine Geschichte:
Die ersten geschichtlich nachgewiesenen Einwohner der Gegend waren die Kelten, ein aus Asien eingewanderter Volksstamm. Um die Zeit Christi Geburt kamen dann die Römer in die Gegend, was zweifellos erscheint, nachdem sie vier Jahrhunderte das ganze Gebiet von den Alpen bis zur Donau beherrschten. Doch müssen erst eingehende Forschungen ergeben, wo Römerstraßen die Gegend durchzogen und inwieweit die Schanzen im Tobel, der fast abgetragene Bergtegel bei Hohenraunau u.s.w. römischen Ursprungs sind.
Die Herrschafft der Römer erlitt durch die Völkerwanderung ihren Untergang.
Durch das Vordringen anderer Volksstämme wurden die bisher ansässigen Bewohner getötet oder vertrieben. Zwischen Lech und Rhein breitete sich im 5. und 6. Jahrhundert der Stamm der Alemannen oder Schwaben aus. In diese zeit fällt die Grundlegung vieler schwäbischer Orte.

Wir finden im 11. Jahrhundert Raunau im Besitze der Grafen von Schwabeck. Nachdem Adelgot von Schwabeck ohne männliche nachkommen war, kam die Grafschaft mit den Zugehörungen an seinen Schwiegersohn den Grafen Schwigger von Balzhausen. Dieser stiftete nun für sich und seine Gemahlin Bertha und zum Heile seines Vaters und seiner Verwandten 1067 als Seelengeräte Ober- und Unter-Raunau mit Kirche und aller Zugehör an das Stift St. Peter in Augsburg. Das Stift St. Peter verlieh nun Hohenraunau als Goldlehen an Ritter, welche sich vom Orte schrieben und dort auch eine Burg erbauten. Diese Ritter zu Ruonon besaßen auch Niederraunau mit Zugehörde. Nach Aufzeichnungen des Klosters Ursberg stifteten dahin die Matrona Hildegund und die beiden Brüder Konrad und Reginhard gleich nach der Gründung des Klosters durch die Grafen zu Balzhausen und Schwabeck 1125 mehrere zum Komplexe von Raunau gehörige Güter, welche Schenkung Papst Innozenz III. im Jahre 1209 durch eine feierliche Bulle bestätigte.
Noch um das Jahr 1384 besaß ursberg zwei Höfe und und ein Lehen zu Raunau, 9 Untertanen zu Aletshausen und einen Bauernhof und 4 Zinsleute zu Haupeltshofen. 1316 sind in einem bischöflichen Urbar als Zugehörungen zur Burg Hasberg 2 Bauerngüter mit Sölden und zwei gewöhnliche Bauernhöfe von Raunau verzeichnet, wovon letztere dem Dietmar von Lichtenau, dessen Burg bei Winzer stand, verpfändet waren.

Zum Anfang des 14. Jahrhunderts teilten sich also drei Herrschaften den Besitz von Niederraunau. Das Stift St. Peter besaß die Pfarrkirche mit Kirchensatz und Patronatsrecht mit Zehenten und mehreren Gütern, der Bischof zwei große Bauerngüter mit Sölden und 2 Bauernhöfe, Kloster Ursberg 2 Bauernhöfe und ein Lehen. Auch die Herrn von Angelberg waren im 14. Jahrhundert vorübergehend im Besitze von Gütern in Raunau.  1423 erhielt Pupellin von Erlbach zu Krumbach den Ort Berg - Geißmarkt - vom Hochstifte Augsburg als Eigentum gegen Lehens-Eratz durch Güter in Raunau. Dieser Ort hatte früher eine Zollstätte. Der Zoll ging von den Inhabern der Burg Hasberg und der Marktgrafschaft Burgau aus. 1420 hatte die halben Zollgefälle als bischöfliches Pfand die Witwe Elisabetz von Mindelberg inne.

Zu Anfang des 15. Jahrhunderts in den Besitz der Familie von Freyberg zu Steißlingen. Hans von Freyberg kam wegen Eingriffe in die Rechte des Stiftes St. Peter in Acht und Bann. Zur selbigen Zeit besaß Jörg von Lichtenau zwei Sölden zu Raunau als bischöfliche Lehen und Pupellin von Erlbach ebenfalls einige Güter zu Raunau. Hans von Freybergs Witwe Gigana und ihr Sohn Hans verkauften die Herrschaft Raunau an die Karthause zu Burgheim und an das Frauenkloster zu Beuern (Klosterbeuern) und von diesen erwarb sie der Abt Balthasar von Gebach von Ursberg im Jahre 1448 mit allen Gerechtsamen und Zubehör für 3000 rheinische Gulden. Allein sie blieb auch nicht lange bei Ursberg, wahrscheinlich kam sie wegen Verschuldung des Klosters unter der unglücklichen Regierung der beiden Äbte Sedler und Gerngroß wieder zum Verkaufe. Sie ging in den Besitz des Dr. Georg Ehinger von Ulm und des Peter Umgelter - genannt der schwarze Peter - von Deisenhausen über. Diese beiden teilten sich nun 1475 die Herrschaft so, daß Ehinger das Dorf Aletshausen und den Weiler Haupeltshofen, Umgelter aber Raunau jeweils mit aller Gerechtigkeit und Zugehör erhielt, doch musste ersterer dem letzteren noch etwas an Geld herausbezahlen. 1477 kam zwischen der Gemeinde Raunau und Peter Umgelter durch Vermittlung des Bürgermeisters Jakob Ehinger von Ulm sowie mehrerer Ratsmitglieder von dorten ein Vertrag wegen der Beholzung, des Triebs (Weiderechtes) und des Fischens zu stande.

In den folgenden Jahren ging nun die Herrrschaft wieder in Besitz derer von Freyberg über. Hans von Freyberg - Eisenberg, ein Sohn des Hans von Freyberg - Eisenberg zu Neuensteißlingen und der Barbara Marschalk von Bibrach, der bischöflicher Pfleger zu Pfaffenhausen war, kaufte die Herrschaft zu Raunau zurück. Er war zuerst mit einer gebornen von Wellwart, später mit Genovefa von Roth vermählt. Zwischen 1436 - 1440 erwarb er mehrere Besitzungen zu Winzer, Hasberg und Haupeltshofen und nach dem Tode seines Schwiegervaters Konrad von Roth die Hälfte von Rieden. Ferner kaufte 1481 von Peter Umgelter noch zwei Lehen zu Raunau, dann 1482 von Ehinger von Ulm Aletshausen. In dem Krieg Herzog Ludwig des Reichen von Bayern - Landshut gegen Marktgraf Albrecht von Brandenburg, dem auch Augsburg auf kaiserliche Aufforderung Hilfe leistete, war Hans von Freyberg Hauptmann des bayerischen Kriegsvolkes, wurde jedoch besiegt und bei Hochstädt gefangen genommen. Bei Erneuerung des Bündnisses zum St. Georgenschild "zu Stärkung des Adelstandes und zur Schrirmung der Witwen und Waisen, der Kaufleute, Landfahrer und Pilgrime" erscheint er unter den Teilnehmern und war auch Mitglied der von Friedrich II., Marktgrafen von Brandenburg 1442 gestifteten Ritterbruderschaft unserer lieben frau von Schwanen. Nachdem er eine Pilgerfahrt in das hl. Land unternommen, starb er währen der Rückreise auf dem Meere.

Hans von Freyberg und seine Gemahlin von Roth stifteten zu Ursberg einen Jahrtag durch die jährlichen Gefälle auf einigen Gütern in Aletshausen. Nachdem aber durch ihren Sohn Hans der Ort Aletshausen 1509 verkauft wurde, ersetzte dieser die Einkünfte dieses Jahrtages 1511 durch Gefälle auf der Mühle zu Raunau.
1523 berichtigte er die Raunau`schen Grenzmarken gegenüber dem Hochstift Augsburg, dessen Pfleger er zu Schöneck war. Er starb 1533 ohne Nchkommen und hatte ncoh letztwillig seine Schwester, die Äbtissin zu St. Stephan in Augsburg, dann seine beiden Schwäger, von Westerstetten und Hausen bestimmt. Die Erbfolge veranlasste einen Streit, dessen Ausgang nicht klar liegt. Seine Witwe Ursula führte noch etwa 30 Jahre die Herrschaft in Raunau und erlebte die Tage des Bauernkrieges. Sie scheint eine schneidige Frau gewesen zu sein. Ihr sterbejahr ist unbekannt (1554?)

1617 lies Marquard von Freyberg den Turm höher erbauen und um 1620 begann er den Bau einer neuen Kirche, nachdem er schon vorher in der alten Kirche verschiedene Epitaphien und anderes aus rotem Marmor aufstellen ließ. Allein er erlebte die Vollendung des Gotteshauses nicht. Doch darf man ihm heute noch als Gönner und Wohltäter des Ortes und der Kirche ein dankbares Andenken bewahren.

Am 27. September 1655 wurde Hans Dietrich von Freyberg durch Erzherzog Ferdinand Karl zu Innsbruck der Freiherrnstand für seine Linie erneuert.

 

 

Quelle:
"Geschichtliches vom ehemaligen Markte Niederraunau" geschrieben von
Herrn Kommerzienrat Michael Schleifer
, dem eifrigen Förderer und Gönner seines Geburtsortes Raunau,
erschíenen im Sommer 1907

 

 

 

 

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